Kennst du die Feinde von Entscheidungen?
Kennst du diesen Gedanken von dir? „Eigentlich müsste ich bis morgen eine Antwort geben.“
Vielleicht schiebst du die Entscheidung noch ein bisschen vor dir her. Du möchtest erst noch Informationen sammeln. Noch einmal darüber schlafen. Vielleicht fragt jemand. Oder du wartest einfach darauf, dass sich die richtige Entscheidung irgendwann ganz eindeutig und von selbst zeigt.
Und während du wartest, bleibt alles beim Alten. Willkommen bei den Feinden von Entscheidungen. Sie wollen uns schließlich nur helfen, nichts falsch zu machen. Da wären zum Beispiel:
Die Prokrastination: „Ach, das kannst du auch morgen noch entscheiden.“
Der Perfektionismus: „Du solltest wirklich ALLE Möglichkeiten kennen, bevor du dich festlegst.“
Die Angst vor der Meinung anderer: „Was werden die anderen wohl denken?“
Und schon sitzen wir fest. Nicht weil wir keine Entscheidung treffen könnten. Sondern, weil wir versuchen, eine Entscheidung zu finden, bei der es keine Unsicherheit, kein Risiko und keine kritischen Stimmen gibt. Die gibt es allerdings ziemlich selten.
1. Der Feind mit dem gemütlichsten Sofa ist die Prokrastination.
Aufschieben fühlt sich manchmal erstaunlich angenehm an. Solange ich mich nicht entscheide, muss ich schließlich auch nichts verändern. Ich kann noch besser sein. Ich kann noch recherchieren. Ich kann noch warten.
Eine nicht getroffene Entscheidung ist jedoch auch eine Entscheidung. Nämlich, die, dass ich mich dafür entscheide, dass vorerst alles bleibt, wie es ist. Und manchmal ist genau das die Entscheidung, die uns am meisten Energie kostet, die Magenschmerzen verursacht und den Schlaf raubt.
2. Der Feind mit dem höchsten Anspruch ist die Perfektion.
Der Perfektionismus möchte es ganz genau wissen.
Welche Möglichkeit ist die beste? Was könnte passieren? Was, wenn ich mich falsch entscheide? Was, wenn es noch eine bessere Lösung gibt?
Das Problem dabei ist, eine perfekte Entscheidung gibt es meistens nicht. Wir treffen Entscheidungen mit dem Wissen, den Erfahrungen und den Möglichkeiten, die uns jetzt zur Verfügung stehen. Und vielleicht darf eine gute Entscheidung einfach eine stimmige Entscheidung sein. Sie ist vielleicht jetzt nicht
perfekt, aber passend.
3. Dann wäre da noch die Meinung der anderen.
„Was werden die anderen sagen?“ Eine kleine Frage mit ziemlich großer Wirkung. Denn plötzlich treffe ich meine Entscheidung nicht mehr für mich, sondern versuche, möglichst viele andere Menschen damit zufriedenzustellen. Das kann ziemlich anstrengend werden. Denn egal, wie ich mich entscheide, irgendjemand könnte es anders machen. Vielleicht ist deshalb eine viel wichtigere Frage:
„Was denke ich darüber?“ und noch wichtiger ist: „Passt diese Entscheidung wirklich zu mir?“
Damit sind wir schon mitten in meinem kleinen Entscheidungsweg.
In 6 Schritten zu einer stimmigen Entscheidung
Wenn eine Veränderung ansteht und du nicht wochenlang im Entscheidungs-Karussell verbringen möchtest, können dir diese sechs Schritte helfen.
1. Wie treffe ich normale Entscheidungen?
Schnell aus dem Bauch heraus? Brauche ich viele Informationen? Frage ich gerne andere? Schiebe ich Entscheidungen gerne auf? Oder „zerdenke“ ich sie so lange, bis selbst eine einfache Frage plötzlich zur Doktorarbeit wird?
Es gibt nicht den richtigen Entscheidungstyp. Aber wenn du weißt, wie du tickst, kannst du deine persönlichen Stolpersteine leichter erkennen. Bevor du dich mit der eigentlichen Entscheidung beschäftigst, lohnt sich ein Blick auf dich selbst.
2. Wo stehe ich gerade?
Bevor du losgehst, solltest du wissen, wo du gerade bist und dir deine Ist-Situation ehrlich anschauen. Ganz ohne Schönreden und ohne „Eigentlich müsste ich doch …“.
Was ist gerade gut? Was funktioniert nicht mehr? Was fehlt mir? Was wünsche ich mir? Was möchte ich verändern? Ein ehrlicher Blick auf das Jetzt schafft Orientierung.
3. Welche Möglichkeiten habe ich?
Jetzt darf gesammelt werden. Welche Optionen gibt es überhaupt? Und damit meine ich wirklich alle, auch die, die zunächst ungewöhnlich erscheinen. Manchmal sehen wir nur A oder B und übersehen den Wald vor lauter Bäumen. Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit, einen ganz neuen Weg zu gehen. Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Mindmap oder eine Plus/Minus-Liste? (Auch hierfür ist gut, dass du weißt wie du tickst/ entscheidest!) Danach kannst du deine Optionen nach folgenden Punkten sortieren:
Was spricht dafür?
Was dagegen?
Was ist realistisch?
Was fühlt sich interessant an?
Was würde sich verändern?
Damit verschaffst du dir einen Überblick, um gemeinsam mit den folgenden Punkten deine Entscheidung zu fällen.
4. Der Authentizitäts-Check
Jetzt kommt eine Frage, die ich besonders wichtig finde.
Passt diese Entscheidung zu mir? Nicht zu meiner Nachbarin. Nicht zu meinen Eltern. Nicht zu meinen Kolleg_innen. Nicht zu dem, was „man“ eben so macht. Sondern zu mir.
Was sagt mein Inneres dazu? Fühlt sich diese Möglichkeit stimmig an?
Und hier darfst du auch deine eigenen Werte anschauen. Die Wertetabelle findest du hier Hilfreich ist im ersten Schritt alle Begriffe, die dich quasi anspringen zu notieren. Indem du immer wieder 2 Werte miteinander vergleichst, kannst sie auf 3 wichtige Werte für dich reduzieren.
Denn manchmal ist eine Entscheidung auf dem Papier wunderbar logisch und trotzdem fühlt sie sich innen irgendwie falsch an. Weil sie vielleicht gar nicht deine Entscheidung ist.
5. Herz & Hirn an einen Tisch holen
Jetzt wird es spannend. Denn für mich müssen Herz und Hirn ein Team sein. Das Hirn darf rechnen, analysieren, hinterfragen und Risiken erkennen. Das Herz darf spüren, was sich stimmig anfühlt. Und dann dürfen sich beide miteinander unterhalten.
Herz & Hirn- Übung
Vielleicht fragst du dich:
„Was spricht mein Verstand?
Was sagt mein Herz?“
Und was passiert, wenn ich beides in Einklang bringe?
Manchmal entsteht genau dort die Klarheit, nach der wir vorher so verzweifelt gesucht haben. Das Herz kennt schon längst einen Weg, den der Verstand noch anzweifelt. Nur wenn du beide ins Boot holst, fühlt sich eine Entscheidung stimmig an.
6. Nach der Entscheidung ist vor der Umsetzung
Und jetzt kommt der Teil, den wir manchmal gerne vergessen. Erst die Umsetzung einer Entscheidung bringt Bewegung ins Leben. Du kannst dich noch so oft dafür entscheiden, etwas zu verändern, wenn danach kein Schritt folgt, bleibt alles beim Alten. Deshalb überlege dir, was ist der allererste kleine Schritt ? Nicht der perfekte Plan für die nächsten fünf Jahre. Nur der nächste Schritt.
Ein Anruf. Eine Nachricht. Ein Termin. Ein „Nein“. Ein „Ja“. Ein erster Versuch.
Entscheidung + Umsetzung = Veränderung und Bewegung im Leben
Eine kleine Entscheidungsübung für dich
Du hast gerade eine Entscheidung im Kopf, die du schon eine Weile vor dir schiebst? Dann probiere es aus. Nimm dir 10 Minuten und ein Blatt Papier. Kein Handy, keine Recherche, keine Rückfrage bei fünf Freund_innen und kein Telefjoker.
Schreibe oben auf das Blatt:
Meine Entscheidung: ____________________
Und dann beantworte nacheinander diese fünf Fragen:
1. Meine Ist-Situation: Wo stehe ich gerade wirklich?
2. Meine Optionen: Welche Möglichkeiten habe ich? Schreibe mindestens drei auf (auch eine ungewöhnliche).
3. Mein Authentizitäts-Check: Welche dieser Möglichkeiten passt am besten zu mir, meinen Werten und dem Leben, das ich führen möchte?
4. Herz & Hirn: Was sagt mein Hirn dazu? Was sagt mein Herz dazu? Wenn die Meinung anderer keine Rolle spielen würde, wofür würde ich mich entscheiden?
5. Mein nächster Schritt: Was werde ich innerhalb der nächsten 48 Stunden konkret tun? Nicht irgendwann. Nicht „wenn ich mehr Zeit habe“. Vielleicht stellst du dabei fest, dass die Entscheidung längst in dir vorhanden war und nur ziemlich viel „Rauschen“ aus dem Alltag darüber lag. Komm ins einfach ins Tun.
Wir müssen nicht immer sicher sein. Wir müssen nicht alle Eventualitäten kennen. Wir müssen nicht die Zustimmung aller Menschen bekommen. Und wir müssen schon gar nicht die perfekte Entscheidung treffen. Vielleicht reicht es, bewusst zu entscheiden.
Die eigene Situation anzuschauen. Möglichkeiten zu erkennen. Sich selbst ernst nehmen. Herz und Verstand miteinander reden zu lassen. Und dann losgehen.
Denn Veränderung beginnt nicht erst dann, wenn wir wissen, wie alles ausgehen wird.
Veränderung beginnt mit der Entscheidung, einen ersten Schritt zu machen.