Traue(R)n ohne (R)
Traue(R)n ohne (R), bedeutet sich mit all seinen Gefühlen zu zeigen
Sich anderen Menschen mit der vermeintlichen Schwäche zuzumuten, ist, was mit traue(r)n ohne (R) gemeint ist. Nach einem Verlust bekommen die meisten Menschen eine Frist gesetzt, bis sie wieder wie gewohnt funktionieren sollten. Doch das Leben hält sich schon grundsätzlich nicht an Pläne. Es verläuft in Wellen und Kurven und stellt in den seltensten Fällen ein Zielgerade dar.
So ist es auch mit der Trauer. Auch sie verläuft in Phasen. Verschiedene Stadien, die nicht chronologisch ablaufen, sondern manchmal emotional über uns hereinbrechen und uns zur Verzweiflung bringen, wechseln einander ab. Besonders zu den Feiertagen ist es für viele Trauernde das erste Mal, dass sie Feierlichkeiten ohne einen geliebten Menschen oder ein Tier verbringen. Es tauchen Erinnerungen, in Form von Foto-Slides am Handy auf. Diese machen den Verlust noch einmal deutlich spürbar.
Oder man bekommt, wie im Fall einer Klientin, ein Fotoalbum als Erinnerungsstück geschenkt. Die gute Absicht dahinter ist bewusst, jedoch führt dieses Album den schmerzlichen Verlust wieder deutlich vor Augen. Das macht traurig und Tränen fließen. „Ich weiß, ich werde weinen zu Weihnachten“, war ihre Aussage. Auf die Frage, ob das denn schlimm sei, bekam ich zur Antwort: „Nein, im Kreise meiner Familie zeige ich mich, so wie ich bin.“
Die Gefühle unter Kontrolle zu haben, haben wir alle gelernt oder zumindest hat man versucht, durch Erziehung darauf einzuwirken. Allerdings, zeigst man sich authentisch mit all dem Schmerz, der Trauer, der Wut oder Ohnmacht, bedeutet, dass man mutig genug ist, sich nicht in sein Kämmerlein zurück zu ziehen, wenn man Tränen vergießt.
Es ist ein Signal an die eigene Seele, dass sie beachtet wird. Sich all den Gefühlen zu stellen, sie bewusst wahrzunehmen und anzuerkennen, das ist in diesem Fall mit Mut gemeint. Vielleicht ist es hilfreich, sich an eine Person des Vertrauens zu wenden. Darüber zu sprechen, welche Emotionen und Empfindungen dich während der Festtage begleiten, kann Erleichterung bringen. Manchmal reicht es auch, die Hand einer anderen Person zu halten und im Schweigen die Verbundenheit in der Trauer zu spüren. Das Gefühl zu haben, da ist jemand, der mir Halt gibt, trägt wesentlich dazu bei, die Situation zu ertragen.
Für alle, die das Bedürfnis haben, sich auszutauschen, die Halt suchen und Orientierung, steht der „Salon der Stille“ zur Verfügung. Hier entwickelt sich ein Raum für Verbundenheit.