Hörst du es auch?
Leise Zwischentöne, oder die Kunst das Gute zu hören?
Der Dezember hat seine ganz eigene Geräuschkulisse. Weihnachtsmusik aus Kaufhäusern, Stimmengewirr auf dem Weihnachtsmarkt, das innere To-do-Listen-Orchester, das unablässig spielt. Lautes Getöse gehört zum Advent wie Lichterketten und der Duft der Weihnachtsbäckerei. Doch mitten in diesem Fest der Geräusche gibt es etwas, das oft überhört wird. Es sind die leisen Zwischentöne.
Es sind diese feinen, unscheinbaren Momente, in denen wir kurz innehalten. Vielleicht beim Blick auf eine Kerzenflamme. Oder wenn wir nach einem hektischen Tag endlich die Schuhe ausziehen. Genau dann meldet sich eine Stimme, die wir manchmal vergessen haben.
Unsere innere Resonanz . Eine Stimme, die nicht meckert, antreibt oder korrigiert, sondern die flüstert: „Schau mal, das hast du gut gemacht.“ Diese Stimme ist nicht laut und konkurriert auch nicht mit Weihnachtsliedern. Sie ist eher wie ein sanftes Summen, wenn wir aufmerksam sind. Und gerade deshalb ist sie so wertvoll. Denn sie ist es, das positive Feedback von außen überhaupt erst verankert. Lob allein bleibt oft an der Oberfläche: „Schön gemacht“, „Danke für deine Hilfe“, „Du bist so zuverlässig.“ Erst wenn die leise Stimme in uns sagt: „Ja, das stimmt.“ Daraus wird echte, spürbare Anerkennung.
Viele von uns sind Meister_innen darin, Kritik klar und deutlich zu hören. Egal ob sie von innen oder außen kommt, das Negative bekommt sofort ein Mikrofon. Der innere Kritiker wird gerne schnell laut. Die positiven Rückmeldungen tröpfeln dagegen nur leise ein. Doch was wäre, wenn wir im Advent bewusst unsere innere Lautstärkeregelung neu einstellen?
Die leisen Zwischentöne zu hören bedeutet nicht, die Welt auszublenden. Es bedeutet auch nicht, Kritik zu vermeiden oder die rosa Brille aufzusetzen. Es bedeutet, das vollständige Klangbild unseres Lebens wahrzunehmen. Denn wir bestehen nicht nur aus Fehlern und „To-dos“. Wir bestehen aus Schritten, Erfolgen, aus Mut-Momenten und aus all den kleinen Dingen, die wir Tag für Tag richtig machen, ohne es zu bemerken. Wenn wir diese Zwischentöne zulassen, verstärken sie die Signale von außen. Plötzlich wird sichtbar und fühlbar, worauf wir stolz sein dürfen. Nicht im Sinne von „größter Erfolg des Jahres“, sondern im Sinne von Echtheit:
Das ehrliche Gespräch , das wir nicht vor uns hergeschoben haben.
Die Entscheidung , uns selbst treu zu bleiben. Eventuell damit verbunden, alte Rollenbilder und Gedanken hinter uns zu lassen.
Die liebevolle Geste , die wir jemandem geschenkt haben.
Die Geduld, die wir in schwierigen Situationen aufgebracht haben.
Vielleicht ist genau das die Einladung dieser Jahreszeit. Zwischen all dem Lärm, dem Glitzer und dem Gewusel schaffen wir bewusst Platz für die leisen Klänge. Für die Stimme, die nicht fordert, sondern würdigt.
Für das, was wir gut machen.
Für das, was uns wachsen lässt.
Für das, worauf wir stolz sein dürfen.
Die leisen Zwischentöne wollen jetzt gehört werden, um uns im tiefsten Inneren zu berühren und eine Ausrichtung auf das neue Jahr zu ermöglichen. Eine Ausrichtung, die stimmig ist, weil sie mit den eigenen Werten verknüpft ist und auf vergangenen Erfolgen aufbaut.