Der Tod schlägt Wellen
Niki Glattauer ist seit 04.09.2025 tot. Warum das so viel Bedeutung hat und was uns bewegt hat, ist einfach erklärt.
Der Lehrer, Autor und Mensch, der etwas bewegen wollte, hat für sich den Zeitpunkt des Sterbens definiert und Dank der Möglichkeit des assistierten Suizides auch in seiner Wohnung umsetzen können. Nach einer Krebsdiagnose hat ihm die Aussicht auf eine lebenswerte Zukunft genommen. Andere Möglichkeiten, wie zum Beispiel Hospiz oder palliativmedizinische Betreuung, kamen für ihn nicht in Frage.
Aus der Sicht der Trauerbegleitung ist der Schritt, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, ein Beitrag, um das Thema „Tod“ und „Sterben“ zu enttabuisieren. Wir alle wünschen uns, unsere Autonomie bis zum Schluss wahr zu können. Wenige befassen sich mit den Aspekten des würdevollen Sterbens schon viel früher. Meist überwiegt immer noch die Angst vor dem Ungewissen. Natürlich kann niemand vorhersehen, wie sich das Sterben anfühlt. Oft ist es auch die Angst vor dem Verlust oder dem Bewusstwerden von Versäumten. Manchmal spielen Schuldgefühle eine Rolle. Darum ist es so wichtig, dem Tod offen zu begegnen. Er ist uns vom ersten Atemzug an gewiss.
Genauso wie jede Mutter für sich die richtige Variante, ein Kind auf die Welt zu bringen, bestimmt und überzeugt davon ist, dass dies die beste Version für Mutter und Kind ist. Genauso sollte es uns am Ende unserer Tage überlassen sein, selbstbestimmt den Abgang von der Bühne des Lebens zu wählen. Wer eine schwere, chronische Erkrankung hat, kann nachvollziehen, in welcher Lage sich Herr Glattauer befunden hat. Dennoch ziehe ich den Hut vor dieser mutigen Entscheidung. Mutig deshalb, weil hier das Gespräch mit Angehörigen sicher nicht einfach ist. Persönlich weiß ich, dass es bei Tieren und im Hospiz ein friedliches Abschiednehmen sein kann. So komisch das Klingen mag, bleiben dann vor allem die liebevolle Verbundenheit und das friedliche Verabschieden in Erinnerung.
Worauf es als Angehöriger ankommt?
Zuhören, statt Tipps zu geben.
Einfach da sein. Nahe sein und Halt geben.
Akzeptieren der individuellen Wünsche am Lebensende.
Die eigenen Grenzen dabei nicht überschreiten.
Gemeinsam für schöne Momente sorgen.
Sich verabschieden und eventuell noch das klärende Gespräch suchen.
Sich selbst Hilfe im Trauerprozess holen.