Der Schlüssel liegt manchmal zwischen den Zeilen.
Eine Terminanfrage per E-Mail ist eingelangt. Die Kundin gibt an, dass sie aufgrund der Empfehlung eines Kolleg_in mit mir Kontakt aufnimmt. Wir haben einen zeitnahen Termin gefunden.
Nach einigen Tagen steht sie vor mir in der Praxis. Die Anspannung lässt sich sogar auf Distanz wahrnehmen. „Ich habe Ihre Nummer von einer Kollegin… Ich brauche dringend Hilfe.“ Die Stimme bricht kurz. „Ich kann nachts nicht mehr schlafen. Meine Gedanken kreisen nur um dieses eine Thema. Ich glaube, ich werde verrückt.“
Sie spricht über Stress, über Druck. und Dinge, die in den letzten Jahren geschehen sind. Natürlich wird Anamnese erhoben. Zwischen den Zeilen höre ich etwas anderes, als die Probleme mit dem Gewicht und der Partnerschaft. Ein Schatten, den sie nicht benannt hat.
Als sie auf der Behandlungsliege Platz genommen hat, frage ich nach. Der Raum wird stiller. Auf meine Fragen nickt sie langsam. und ich merke wie sie den Tränen nahe ist. Ich gebe zu verstehen, dass genau jetzt und hier der Raum ist, um alle Emotionen zuzulassen. Wir arbeiten uns heran. Lösen. Atmen. Ein wenig entspannen. Ich gebe ihr eine Übung für positive Gedanken für die nächsten Tage mit.
Am Ende steht sie auf. Das Gesicht ist weicher, die Schultern tiefer. „Danke.“
Die Tür schließt sich. Neugierig auf unsere nächste Begegnung hallt es noch kurze Zeit nach. Auch das war nicht ausgesprochen und spürbar. Die feinen Nuancen dazwischen wahrzunehmen, kann alles verändern.